Nicht jeder ist eine Rampensau!
Aufzutreten, oder sich generell zu präsentieren ist nicht immer so einfach. Manchen fällt es leicht, manchen nicht. Es gibt die sogenannten Rampensäue, die absolut selbstsicher rüberkommen und die Bühne rocken und die Zuschauer in ihren Bann ziehen. Ich bin zum Beispiel ein Riesenfan von Madonna und bewundere es einfach, wie sie scheinbar absolut selbstsicher auftritt. Diesen Eindruck vermitteln mir alle Superstars, ob Sänger, Schauspieler, Entertainer oder Stand up-Comedians. Wie gerne wäre ich selbstsicher genug und würde mich auch trauen, vor anderen zu sprechen, zu singen und mich einfach zu präsentieren. Nun ist es aber bei mir so, dass ich unter großem Lampenfieber leide und zwar übersteigertem! Hier möchte ich darüber sprechen und mich nicht mehr hinter meiner Angst verstecken, denn das habe ich mein Leben lang getan und deshalb vieles nicht gemacht. Ob in beruflicher, oder privater Hinsicht.
Ich singe gerne
Als Teenie habe ich in meinem Zimmer Platten gehört, dazu getanzt und mitgesungen, vorzugsweise zu Madonna-Songs. Niemals hätte ich damals gedacht, dass ICH mich einmal trauen würde, in einer Band mitzumachen, geschweige denn in ein Mikro zu singen, geschweige denn vor Publikum. Doch irgendwann habe ich mich das getraut, zuerst in einem Gospelchor und später in mehreren Cover-Bands als Backgroundsängerin. Im Chor singt man in der Gruppe und im Background ist man auch eher im Hintergrund. Geniale Lösung also! Anfangs war es trotzdem noch oft eine Überwindung, überhaupt das Sich-Trauen vor anderen zu singen und aus sich heraus zu gehen. Wenn man kein gutes Selbstwertgefühl hat und Glaubenssätze, wie du-bist-nicht-gut-genug, ist der Weg zu einer guten Performance noch ein weiter.
Oh je, ein Auftritt steht an, das Lampenfieber stellt sich ein!!!!
Aufregung vor einem Auftritt ist als Lampenfieber allen ein Begriff. Der eine hat weniger, der andere mehr Lampenfieber, der eine ist positiv, der andere negativ aufgeregt. Bei der positiven Aufregung freut man sich auf den Act, das mulmige Gefühl, die nassen Händen können Begleiterscheinungen sein, die sich aber legen, sobald man auf der Bühne ist und diesen Erscheinungen keinen ( großen ) Wert mehr beimisst. Anders ist es, wenn das Gehirn diese Situation als gefährlich beziehungsweise negativ einstuft; die Stress,- Angstsymptome, die die selben wie bei der positiven Aufregung sind, werden negativ bewertet und so der Flucht, oder Kampfmodus aktiviert. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass man dann keine gute Performance hinlegt, weil die Angstsymptome, wie Herzrasen, flache Atmung, Schwitzen zu Blockaden führen.
Es ist soweit, wir treten auf...
Wir sind im Buena Ressa Club angekommen und haben uns mit den Veranstaltern unterhalten und vorgestellt. Ich habe auch erwähnt, dass ich großes Lampenfieber habe. Dann habe ich die Location abgecheckt und welche Leute so da waren. Es waren nicht viele Leute da, das war für mich erst mal beruhigend. Die Vorstellung ich müsste vor einem großen Publikum singen, hätte mich noch mehr gestresst. Dann fragte ich mich, wie wird das Publikum sein und auf den Auftritt, die Darbietung reagieren? Werden sie meine Stimme mögen, wie aufgeregt werde ich sein, werde ich es schaffen, dass meine Stimme nicht zittert? Um mich zu beruhigen, habe ich ein Glas Sekt und für die Stimme einen Tee getrunken. Der Laden blieb relativ leer und das empfand ich schon mal als positiv und dann ging es los. Es ging los mit dem Song "Valerie" und ich war aufgeregt, meine Atmung war flach und ich habe den Song einfach runtergesungen. So ging es die nächsten 2 Songs etwa weiter und meine Aufregung hielt an. Ich hatte halt die ganze Zeit dieses Gefühl von ich-muss-das-hinter-mich-bekommen. Klar, die Leute klatschten, aber mein Eindruck war, dass sie nicht so begeistert waren. Meine Aufregung hatte ich mittlerweile mehr oder weniger im Griff, aber trotzdem konnte ich den Auftritt nicht richtig genießen und ich dachte die ganze Zeit, dass ich nicht gut genug sei und es den Leuten nicht gefalle. Wir haben dann unsere Setlist abgearbeitet und es wollte auch niemand eine Zugabe. Hm,....bald geht es weiter:)
Wieder ein Auftritt
Dieses Mal waren wir bei einer Open-Stage Veranstaltung im Unperfekthaus in Essen. Wir wussten gar nicht genau, was uns erwartet. Ich war bereits sehr angespannt, als wir die Location erreichten und fing an, mich auf meine Atmung zu konzentrieren; also, tief ein und ausatmen. Das soll dem Gehirn signalisieren, dass alles in Ordnung ist und keine Gefahr droht. Das Event fand in einem bestuhlten Saal mit großer Bühne statt und es waren ungefähr vierzig bis fünfzig Leute da. Sechs Künstler hatten sich angemeldet und man wusste nicht, wann man von den Moderatoren aufgerufen wurde. Da saß ich also nun im Publikum und atmete immer wieder tief ein und aus, während mein Herz nur so raste. Ich erinnerte mich an ein Youtube-Video von einem Autor, der von seiner ersten Lesung erzählte und wie er schwitzend und stotternd vor dem Publikum gestanden hatte, es aber trotzdem durchgezogen hatte. Genau das sagte ich mir auch, egal, was passiert, ob du den Text vergisst, deine Stimme versagt, du schwitzt, DU ziehst das jetzt hier durch!
Und so war es, ich hab´s durchgezogen und bin mega stolz auf mich! Wie war es auf der Bühne? Klar, ich war aufgeregt und mein Körper und somit meine Stimme auch und das hat man mir sicherlich auch angemerkt. Zu Anfang habe ich auch gesagt, dass ich riesiges Lampenfieber hätte und ich um etwas Nachsicht deswegen bäte. Den Leuten hat unser Auftritt gefallen und ist gut mitgegangen.
Ich bin total happy darüber, weiß allerdings, dass ich noch weiter mit meinem Lampenfieber zu kämpfen haben werde, aber wirklich hoffe, dass ich es eines Tages so weit in den Griff bekomme, dass ich mich auf zukünftige Auftritte freuen und diese genießen werde. Das ist mein Ziel.