Ich bin´s, Nel und ich verrate euch was, denn nicht jeder ist eine Rampensau! 

Aufzutreten, oder sich generell zu präsentieren ist nicht immer so einfach. Manchen fällt es leicht, manchen nicht. Es gibt die sogenannten Rampensäue, die absolut selbstsicher rüberkommen und die Bühne rocken und die Zuschauer in ihren Bann ziehen. Ich bin zum Beispiel ein Riesenfan von Madonna und bewundere es einfach, wie sie scheinbar absolut selbstsicher auftritt. Diesen Eindruck vermitteln mir alle Superstars, ob Sänger, Schauspieler, Entertainer oder Stand up-Comedians. Wie gerne wäre ich selbstsicher genug und würde mich auch trauen, vor anderen zu sprechen, zu singen und mich einfach zu präsentieren. Nun ist es aber bei mir so, dass ich unter großem Lampenfieber leide und zwar übersteigertem! Hier möchte ich darüber sprechen und mich nicht mehr hinter meiner Angst verstecken, denn das habe ich mein Leben lang getan und deshalb vieles nicht gemacht. Ob in beruflicher, oder privater Hinsicht.

Es fing in der Schule an!


Im Mittelpunkt stehen heißt nicht immer nur auf einer Bühne vor Publikum zu stehen, nein, es umfasst ganz viele andere Alltagssituationen, die mit dem beruflichen, schulischen oder auch privaten Umfeld zu tun haben. Ich war als Kind schüchtern und eher zurückhaltend und habe mir vieles nicht zugetraut, da ich dachte, dass ich nicht gut genug sei und andere es besser könnten. In der Schule hatte ich dann einige Erlebnisse, die ich als schlimm empfunden habe. Zum Beispiel wurde ich einmal puterrot als ich eine Aufgabe vor der Klasse nicht lösen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass nun alle sehen wie unfähig ich bin. Ich wollte doch die coole, intelligente Nel sein und jetzt sahen alle, wie schwach ich in Wirklichkeit war. Ein anderes Mal sollte ich im Deutschunterricht etwas vorlesen und plötzlich bekam ich eine Panikattacke, mein Herz raste, ich konnte nicht richtig atmen und mir wurde heiß. Ich habe dann in meiner Panik einen Hustanfall vorgetäuscht und meine Sitznachbarin hat weitergelesen. So fing ich dann an, Dinge zu vermeiden und alles mögliche zu tun, um nicht mehr in solch eine Situation zu geraten. Dadurch hat sich meine Angst aber nur gesteigert, so dass ich keinen Witz mehr vor Freunden erzählen konnte, Angst vor Vorstellungsrunden, oder Vorstellungsgesprächen hatte. Dada, mein negatives "Lampenfieber" wurde so zu meinem stetigen Begleiter und nicht zuletzt führte das Vermeiden von gewissen Situationen zu einer Art Angststörung. Klar, man geht ja auch nicht in einen Käfig voller Löwen, weil man eben Angst hat, angegriffen und aufgefressen zu werden. Das ist dieses urtypische Verhalten, wenn das Gehirn einem eine reale Gefahr signalisiert. Man muss sich das so vorstellen, dass das Publikum, für eine Person mit Ängsten, die Löwen darstellt, die einen zerfleischen können, indem sie einen, zum Beispiel, ausbuhen, oder auslachen.

Ich singe gerne 


Als Teenie habe ich in meinem Zimmer Platten gehört, dazu getanzt und mitgesungen, vorzugsweise zu Madonna-Songs. Niemals hätte ich damals gedacht, dass ICH mich einmal trauen würde, in einer Band mitzumachen, geschweige denn in ein Mikro zu singen, geschweige denn vor Publikum. Doch irgendwann habe ich mich das getraut, zuerst in einem Gospelchor und später in mehreren Cover-Bands als Backgroundsängerin. Im Chor singt man in der Gruppe und im Background ist man auch eher im Hintergrund. Geniale Lösung also! Anfangs war es trotzdem noch oft eine Überwindung, überhaupt das Sich-Trauen vor anderen zu singen und aus sich heraus zu gehen. Wenn man kein gutes Selbstwertgefühl hat und Glaubenssätze, wie du-bist-nicht-gut-genug, ist der Weg zu einer guten Performance noch ein weiter. Zur Zeit bin ich Hobby-Sängerin in einem Duo, das sich Loud & Silent nennt und wir hatten vor kurzem einen Auftritt in einem Musikerverein. 

Oh je, ein Auftritt steht an, das Lampenfieber stellt sich ein!!!! 


Aufregung vor einem Auftritt ist als Lampenfieber allen ein Begriff. Der eine hat weniger, der andere mehr Lampenfieber, der eine ist positiv, der andere negativ aufgeregt. Bei der positiven Aufregung freut man sich auf den Act, das mulmige Gefühl, die nassen Händen können Begleiterscheinungen sein, die sich aber legen, sobald man auf der Bühne ist und diesen Erscheinungen keinen ( großen ) Wert mehr beimisst. Anders ist es, wenn das Gehirn diese Situation als gefährlich einstuft; die Stress,- Angstsymptome, die die selben wie bei der positiven Aufregung sind, werden negativ bewertet und so der Flucht, oder Kampfmodus aktiviert. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass man dann keine gute Performance hinlegt, weil die Angst und der Stress einen blockieren. 

 

So verlief der letzte Auftritt 


Wir sind also im Buena Ressa Club angekommen und haben uns mit den Veranstaltern unterhalten und vorgestellt. Ich habe auch erwähnt, dass ich großes Lampenfieber habe. Dann habe ich die Location abgecheckt und welche Leute so da waren. Es waren nicht viele Leute da, das war für mich erst mal beruhigend. Die Vorstellung ich müsste vor einem großen Publikum singen, hätte mich noch mehr gestresst. Dann fragte ich mich, wie wird das Publikum sein und auf den Auftritt, die Darbietung reagieren? Werden sie meine Stimme mögen, wie aufgeregt werde ich sein, werde ich es schaffen, dass meine Stimme nicht zittert? Um mich zu beruhigen, habe ich ein Glas Sekt und für die Stimme einen Tee getrunken. Der Laden blieb relativ leer und das empfand ich schon mal als positiv und dann ging es los. Übrigens habe ich auch ein Hörproblem und trage Hörgeräte und somit in-ears; nur, je nach Aussteuerung und Anlage höre ich mich nicht immer optimal. Das war hier auch der Fall. Es ging los mit dem Song "Valerie" und ich war aufgeregt, meine Atmung war flach und ich habe den Song einfach runtergesungen. So ging es die nächsten 2 Songs etwa weiter und meine Aufregung hielt an. Ich hatte halt die ganze Zeit dieses Gefühl von ich-muss-das-hinter-mich-bekommen. Klar, die Leute klatschten, aber mein Eindruck war, dass sie nicht so begeistert waren. Meine Aufregung hatte ich mittlerweile mehr oder weniger im Griff, aber trotzdem konnte ich den Auftritt nicht richtig genießen und ich dachte die ganze Zeit, dass ich nicht gut genug sei und es den Leuten nicht gefalle. Wir haben dann unsere Setlist abgearbeitet und es wollte auch niemand eine Zugabe. Hm,....bald geht es weiter:)